> Start > Blog

Wir sind wieder da! Großer Bahnhof an der Wuppertaler Stadthalle, von den Lieben herzlich und erleichtert empfangen. Die ersten Schlafdefizite sind behoben, das große Erzählen hat begonnen, die Mitbringsel sind verteilt.

Nun beginnt das Sackenlassen, das sich Erinnern, das Verarbeiten und das Nachdenken.

Die Verfasserin dieses Blogs bedankt sich bei allen Co-Autorinnen und bei ihrer treuen Leserschaft!

Adeus! Até logo!

…und wer unsere brasilianischen Engel singen hören möchte, dem sei unser Welcome Back Konzert ans Herz gelegt: Sonntag, 13. November 2016, 16.30 Uhr, Friedhofskirche.

Liebe Angelika, Du bist die musikalisch Hauptverantwortliche für unsere Brasilienreise. Wie hast Du Dich und den Chor vorbereitet?

Schon in den Herbstferien 2015 habe ich angefangen das Konzertprogramm für Brasilien zusammenzustellen. Da dieses eine Länge von ca. 90 Minuten hat, brauchte es eine lange Vorbereitungszeit, um das Programm gut präsentieren zu können. So haben wir für jeden Auftritt in diesem Jahr einen Teil des Programms einstudiert, z. B. beim Mitsingkonzert im Frühjahr, beim Sommerkonzert und verschiedenen Gottesdiensten. Zudem konnten wir in diesem Jahr eine eigene CD aufnehmen, die große Teile des Programms enthält. Diese haben wir „Entre os mundos - Zwischen den Welten“ genannt – ein passender Titel für unsere großartige Reise.

Mit welchen Erwartungen bist Du nach Brasilien gekommen?

Ich war sehr gespannt auf die Menschen dort, auf die Landschaften, das Klima, das Essen, den größten Wasserfall Foz de Iguacu, die Riesenmetropole Sao Paulo, den Besuch in dem Favela – Projekt Monte Azul und vieles mehr.

Was versprichst Du Dir musikalisch von dieser Reise?

Musikalisch habe ich mich besonders auf diese Reise gefreut. Normalerweise haben wir ja immer nur ein oder zwei Möglichkeiten ein lang einstudiertes Programm zu präsentieren. Nun werden wir sechs Konzerte, zwei Gottesdienste und zwei Kurzkonzerte in einer Schule und in Monte Azul singen. Nach und nach werden die Mädchen vieles auswendig singen und wir können musikalisch noch mehr kommunizieren. Darauf freue ich mich sehr.

Und was für den Chor insgesamt?

Für uns alle wird es eine intensive Erfahrung werden, vor allem auch, was unsere Chorgemeinschaft betrifft. Wenn man zwei Wochen so eng miteinander verbringt, wird es viele Möglichkeiten geben sich auszutauschen, sich noch besser kennenzulernen, sich zu unterstützen, Spaß zu haben und auch schwierige Situationen gemeinsam zu meistern. Das wird unsere Chorgemeinschaft noch mehr stärken, das konnte man schon in den ersten Tagen spüren.

Auf was hättest Du in den ersten zehn Tagen gut verzichten können?

Den Jet – Lag und die Müdigkeit zu Beginn der Reise, die Mücken, die mich leider doch arg erwischt haben, die lauten Klimaanlagengeräusche in manchen Konzertsälen, das frühe Aufstehen.

Und was hat Dir besonders gut gefallen?

Ich fühlte mich bis jetzt überall herzlich und freundlich aufgenommen. Sowohl die Pfarrer, die uns begrüßt und begleitet haben, als auch die Gasteltern und alle, die uns kulinarisch verwöhnt haben, waren überaus gastfreundlich.  Da ich selber gerne koche und esse, war ich gespannt auf die Speisen in Brasilien und bin davon sehr angetan. Schon die Vielfalt an frischen Früchten zum Frühstück – Ananas, Mango, Papaya – und das gedünstete Gemüse mit gut gewürztem Fleisch – Churrasco genannt – haben mich begeistert. Der Reichtum an Pflanzen- und Tierarten  hat mir gefallen, die unterschiedlichen Landschaften und natürlich der Höhepunkt: die Wasserfälle Foz de Iguazu. Besonders berührt war ich von der Atmosphäre in dem Kinder- und Jugendprojekt in Monte Azul. Den Mitarbeitern dort war ihre Freude, ihr Mitgefühl und ihre große Einsatzbereitschaft für die Idee und die Menschen dort anzumerken – eine besondere Aufgabe in einem besonderen Umfeld.

Was nimmst Du mit zurück nach Deutschland?

Tolle Konzerte, viel Spaß und Gemeinschaft, interessante Gespräche und insgesamt ein Wohlgefühl dem Land Brasilien gegenüber, das so sehr von Gegensätzen geprägt ist.

Wie sind Deine weiteren Pläne für den Chor nach dieser Reise?

Erst einmal werden wir unser tolles Brasilien – Projekt mit unserem Welcome Back Konzert am 13. November in der Friedhofskirche abschließen. Dort können wir unser musikalisches Programm und über Fotos auch einen visuellen Eindruck von unserer Reise präsentieren – und vor allem DANKE sagen, all denen, die uns diese Reise ermöglicht haben.

Im Dezember werden wir ein paar Auftritte mit adventlicher Musik haben und eine Firmung musikalisch gestalten. Im nächsten Jahr steht unser schon traditionelles Probenwochenende  im Januar an, ein Mitsingkonzert, Gottesdienste, ein Sommerkonzert, die Teilnahme am Chorwettbewerb, die Mitwirkung bei einem Konzert anlässlich des Lutherjubiläums, eine Konzertreise nach Sachsen und ein Weihnachtskonzert – viele neue tolle Aufgaben und Herausforderungen.

Vielen Dank, Angelika Küpper!

Nicht nur Brasilien und Deutschland, sondern auch arm und reich

Geschrieben von Aylin Hatun

Als wir heute Morgen beim Frühstück saßen, waren viele aufgeregt. Wie ist es in einer Favela und wie leben die Menschen dort? Ist Kriminalität ein großes Thema? Wie werden die Menschen auf uns reagieren? Viele dieser Fragen gingen uns durch den Kopf.

Nachdem alle ihre Konzertkleidung und festes Schuhwerk hatten (was eine gefühlte Ewigkeit dauerte), fuhren wir los. Die Fahrt dauerte nicht lange und wir waren da. Wir ließen unsere Wertsachen im Bus und stiegen aus. In der Einrichtung „Monte Azul“ angekommen, wurden wir erst einmal interessiert beäugt. Viele Kinder spielten in dem Hof und waren gut gelaunt. In der „Show-Halle“ wurden wir von einem kleinen Chor empfangen, die ein portugiesisches Lied sangen. Es war sehr herzlich und lieb gestaltet. Danach sangen wir ein kleines Konzert, welches wiederum bei den Kindern und Jugendlichen gut ankam. Es war eine 45- Mischung aus geistlicher und weltlicher Musik, welche natürlich von unserem Solo-Quartett abgerundet wurde. Jedoch kam am besten das Mitsing-Lied A Zing-A Za an. Die Rückmeldung, dass die Jugendlichen sehr erstaunt über unser gutes Singen gewesen sind und sogar Gänsehaut gehabt hatten, hat uns sehr gefreut und noch einmal die Verbindung aufgezeigt, die wir mit allen Menschen dieser Welt haben, nämlich die Musik. Doch nicht nur Kinder und Jugendliche hörten uns zu, auch viele junge und alte behinderte Menschen, die in der Einrichtung betreut wurden, waren dabei. Sie sangen lebhaft mit und lächelten sehr, wenn wir anfingen zu singen.

Nach diesem ergreifenden kleinen Konzert bekamen wir von zwei jungen Frauen eine kleine Einführung zu der Einrichtung und den Favelas. Die beiden machten ein Auslandsjahr mit Freiwilliger sozialer Arbeit. Anschließend bekamen wir eine Führung von den beiden durch die Favela. Zuerst sahen wir den kleinen Waldorf-Kindergarten und den von der Stadt geförderten größeren Kindergarten.  Wir sahen eine Musikschule in der die Kinder unter anderem Cello- Unterricht bekommen. Die Kleiderkammer in der die Favela Bewohner für wenig Geld (umgerechnet etwa 7 Euro) auch Betten kaufen können, war direkt neben der Bibliothek in der die Kinder nach der Schule ihre Hausaufgaben am Computer machen können, lesen können, und Spaß mit anderen haben. Wir sahen eine „Freizeit-Area“ mit einem Pool (dort war früher eine Wasserquelle, bei der das Wasser abgeholt wurde) und einem Fußballplatz. In der Ambulanz in der nur Freiwillige Mitarbeiter arbeiten, arbeitete früher auch der Mann einer Mitarbeiterin (Martha) unseres Leitungsteams. Dort lernten sich Martha und ihr Mann auch kennen. Dadurch, dass  die Favela-Bewohner sich keine teure Behandlung leisten können, müssen die Menschen die von außerhalb zu der Ambulanz kommen mehr bezahlen. So unterstützen sie die Favela. Zuletzt sahen wir die Bäckerei in der man sehr günstig Brötchen kaufen konnte. Nachdem bekamen wir etwas Leckeres zu Essen und konnten uns ausruhen und mit den Menschen dort reden. Die offene Art und die Lebensfreude der Favela-Bewohner faszinierte uns.

Nach dem Favela besuch fuhren wir zum Künstlerdorf Embu. Das Künstlerdorf war mit vielen schönen kleinen Läden und vielen Ständen ausgestattet, jedoch überraschte uns ein starker Regenschauer, sodass die Stände abgebaut werden mussten. Aufgrund des Regenschauers verzögerte sich unsere Abfahrt und wir kamen später als geplant an unserer Konzertkirche an. Auch mit der Verspätung sangen wir ein wunderschönes Konzert, das uns allen Spaß machte. Zum Abschluss werde ich den Pfarrer der Gemeinde zitieren der uns mit seinen Worten sehr berührte.  „In einer Welt in der nun immer mehr Mauern errichtet und auf Grenzen hingewiesen wird, verbindet ihr durch eure Konzert Tour und euer Singen Menschen zwischen den Welten.“

Geschrieben von Silja und Patricia

Der Dienstag war für uns alle ein eindrucksvoller Tag! Nach einer sehr leckeren Stärkung sind wir um 7:30 h von dem Gästehaus auf eine 3-stündige Busfahrt nach Foz zu den berühmten Wasserfällen aufgebrochen. Gut gelaunt und sehr gespannt stiegen wir schließlich aus den Reisebus aus, um mit einem Doppeldeckerbus weiter zu den Wasserfällen zu fahren. Durch eine Durchsage im Bus wurden wir gewarnt, Abstand von den manchmal aggressiv werdenden Tieren zu halten und die brasilianische Pflanzenwelt nicht zu zerstören. Als wir ausstiegen, raubte uns die wunderschöne Aussicht auf einen Teil der Wasserfälle den Atem. Total beeindruckt von diesem Wunder der Natur machten wir alle eifrig Fotos. Da unsere volle Konzentration auf die herunterfallenden Wassermengen gerichtet war, ließen manche Sängerinnen trotz Warnung ihre Taschen außer Acht. Dies blieb nicht ohne Folgen…           

Ein sehr hungriges und neugieriges nasenbärähnliches Quati nutze diesen Augenblick der Unachtsamkeit und schnappte sich blitzschnell einen Rucksack. Hastig floh es einen steilen Abhang hinunter. Die Besitzerin des Rucksacks, ein Mädchen aus unserem Chor, war sehr geschockt und Angst breitete sich in der großen Gruppe aus. Der Grund dafür war erschreckend, denn das wichtigste Utensil der Reise, der Reisepass, befand sich im geklauten Rucksack. Sofort eilten Leute zur Hilfe. Obwohl der Schock bei allen tief saß, mussten wir weitergehen. Wir konnten in Kleingruppen den Weg an den Wasserfällen entlang erkunden. Ehepaar Dermann und Martha blieben mit dem Mädchen an dem Ort des Geschehens, denn ein Mitarbeiter des Nationalparks wollte kommen, um sich dort auf die Suche nach dem Rucksack zu begeben.                  

Auf dem Weg entlang des Naturwunders boten sich immer wieder Aussichtsplattformen, wo man einen tollen Blick auf die Wasserfälle genießen konnte. Insgesamt soll es 20 größere und 255 kleinere Fälle geben, die sich über 2,7 km ausdehnen. Das eindeutige Highlight des Trips war jedoch eine Brücke, die sich nah an den Wasserfällen über das Wasser erstreckte. Durch den Aufprall der ungeheuren Wassermassen entstand eine Art feiner „Wassernebel“, der sich über uns legte und wir dementsprechend komplett durchnässt wurden.

 Auf der Brücke kam uns dann schließlich das Mädchen, deren Rucksack der Quati gestohlen hatte, freudestrahlend entgegen. Sie berichtete, dass ein Mann gekommen wäre und sich abgeseilt hätte. Schließlich fand er den völlig verschmutzten Rucksack. Zum Glück mit Reisepass, aber dafür ohne Essen. Das hatte der Quati nämlich schon verputzt. Nach diesem Moment des Schreckens ließ niemand mehr seine Taschen und Wertgegenstände außer Acht. Wir hatten unsere Lektion gelernt. Dieses Bewusstsein kam uns auf einer weiteren Plattform zu Gute, denn dort bedrängten uns 3 Quatis, die alle nur das gleiche Ziel hatten: Essen!  

Das war dann auch schon das Ende unseres Besuches der  Iguazu-Fälle. Anschließend freuten wir uns schon auf eine Führung durch den Urwald. Jedoch fiel diese aufgrund der Privatisierung des Urwaldgebiets ins Wasser. Enttäuscht, müde aber trotzdem zufrieden machten wir uns auf die Heimreise ins Gästehaus.

Gemütlich, mit ausgelassener Stimmung und vielen tollen, spannenden Darbietungen der verschiedensten Art ließen wir den Abend mit viel Bewegung und Gesang ausklingen. Bei diesem bunten Abend wählten wir den Namen unseres neusten Maskottchens. Einen Papagei namens Heinz, weil wir es als eine schöne Geste empfanden, dem Maskottchen den Namen unseres Gründers Heinz Meier zu geben. Der ganze Chor ist sich einig: Heute war der schönste, spannendste und aufregendste Tag unserer Brasilienreise!

Ein etwas ruhigerer Tag – Schulbesuch in Toledo und Abendessen mit Elsas Familie

Von Judith

Nach vielen sehr schönen aber auch anstrengenden Tagen mit viel Programm war heute, zumindest nach dem Schulbesuch, eher ein entspannender Tag.  Um halb neun ging es los zu einer Schule in Toledo, die wir besuchen konnten, weil Elsa, eine der erwachsenen brasilianischen Mitreisenden, dort Kontakte hatte.

Die Schule war eine katholische Privatschule, in der aber nicht nur katholische Schüler und Schülerinnen waren, sondern viele Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Religionen. Die Direktorin dieser Schule sagte, sie machen da keinen Unterschied und seien offen für alle Kinder, die Freude am Lernen haben. Der Religionsunterricht sei auch nicht katholisch, sondern den Kindern werden die verschiedenen Religionen vorgestellt. Es war nicht wirklich nur eine Schule sondern eher ein Kindergarten, eine Grundschule und eine weiterführende Schule in einem. Insgesamt waren dort etwa 1500 Kinder ab circa 4 Monaten, da dort, wie in der Schule in Ivot,i die Mütter schon ab vier Monaten nach der Geburt des Kindes wieder arbeiten mussten.  Ein Abschluss an dieser Schule ist laut Aussage der Direktorin so gut, das man danach studieren könne, viele Schüler und Schülerinnen würden aber nach Ende der Schulzeit eine Ausbildung beginnen. Da es eine Privatschule war, und die Direktorin keine genauen Angaben machte, wieviel diese Schule so pro Monat koste und nur sagte, dass dies sehr verschieden sei, je nachdem in welcher Stufe man ist und wie lange man dort täglich bleibt, haben wir uns gefragt, ob der durchschnittliche Brasilianer sich diese Ausbildung leisten kann, doch die Direktorin sagte, dass es sehr viele Schüler und Schülerinnen gibt, die ein Stipendium erhalten.

Als wir dort ankamen, hatten die Schüler und Schülerinnen der weiterführenden Schule gerade Pause und wir haben nachdem sie einigermaßen ruhig geworden sind auf dem Pausenhof für alle Interessierten zwei Stücke gesungen. Ich persönlich fand es sehr schade, dass es so laut war und hätte mir gewünscht, dass wir denen, die es wirklich interessiert hat, in einem geschlossenen ruhigen Raum etwas vorsingen.

Anschließend an die Pause der Einen hatten dann die Anderen, die Grundschüler, Pause, und die waren viel stiller und haben sogar, als wir ihnen A Zing - A Za vorgesungen haben, unter Frau Küppers Leitung den Kehrvers des Stückes mitgesungen. Dann haben wir ihnen noch Sister Act vorgesungen und sie waren sehr begeistert, haben teilweise sogar versucht, unsere kleine Choreografie für dieses Stück mitzumachen.

Nach der Pause sind wir durch die unterschiedlichen Räume der Schule gegangen und haben in drei, vier verschiedenen Klassen kurz den Unterricht gestört und den SuS etwas gesungen und sie haben uns Fragen gestellt. Ein paar dieser Fragen bzw. Antworten sind mir besonders hängen geblieben. So war ein Schüler sehr überrascht, als wir sagten, dass wir nur einmal in der Woche 1,5h und einmal im Monat an einem WE proben und sagte, dass wir echt sehr gut gesungen hätten, und er nicht gedacht hätte, dass das mit so „wenigen“ Proben möglich sei. Einige Schüler fragten nach unserer genauen Herkunft und ein paar kannten sogar Köln (Cologne). Außerdem wurde noch oft gefragt, wie es dazu käme, dass wir in Brasilien seien und ob wir hier schon einmal gewesen seien. In einer Klasse mussten wir alle lachen, als ein Schüler, der einmal 6 Monate in Deutschland verbracht hatte uns fragte: „Woher kommt euch?“. Auch die Klasse hat sehr viel gelacht und alle schienen recht interessiert an uns zu sein.

Nach der kleinen Führung konnten wir der Direktorin noch Fragen stellen, die Martha dann für uns übersetzt hat. Da haben wir die Informationen bekommen, die ich zu Anfang des Textes geschrieben habe.

Anschließend an den Schulbesuch haben wir in einem Restaurant in der Nähe gegessen, und der Weg dorthin war trotz kurzer Strecke aufgrund der heißen Temperaturen recht anstrengend. Im Restaurant gab es dann aber zum Glück eine Klimaanlage.

Nach dem Essen sind wir zurück ins Gästehaus gefahren und hatten die Wahl zwischen Ausruhen im Gästehaus oder einem 1,5-stündigem Besuch in einem Shopping-Center.  Circa die Hälfte der Mädchen ging mit und war zufrieden mit dem zweistöckigen Einkaufscenter, in dem fast jeder etwas für sich oder seine Lieben gefunden hat und sehr viele sich Havaianas gekauft haben. Meine Gruppe für den Aufenthalt im Center hatte wieder einmal ein paar Kommunikationsprobleme in ein paar Läden, die wir jedoch gut lösen konnten und mit Humor nehmen konnten. So viel mir zum Beispiel einmal der Satz für „Ich spreche kein Portugiesisch.“  nicht mehr ein und ich bat eine Freundin mir zu helfen, woraufhin die Verkäuferin dachte, diese könne portugiesisch sprechen.

Abends ging es dann zu Elsas Familie, die für uns gekocht hatte, und schon den ganzen Tag für uns das Abendessen vorbereitet hatte. Das Essen hat allen sehr gut geschmeckt und wir hatten viel Spaß und alle, die sich ein bisschen mit Elsas Familie unterhalten haben, fanden sie sehr nett. Wir wurden sehr freundlich behandelt, bekamen leckere Getränke und haben uns über Tische hinweg gut unterhalten und uns schließlich mit zwei deutschen Volksliedern, die wir vorher noch nie auswendig gesungen hatten, und einer CD von uns sowie großem Applaus für das Essen und vieler weiterer Hilfe bedankt. 

So kamen wir abends spät wieder im Gästehaus an und wurden angewiesen, schnell ins Bett zu gehen, weil morgen wieder ein neuer, schöner Tag uns vorbestand, auf den wir uns alle sehr freuten.

Verfasst von Johanna und Rebecca

Nach einem reichhaltigen Frühstück im Hotel ging es um 8:30h mit Sack und Pack zum Gottesdienst in der Kirche in Cascavel, deren Pastor uns bereits in den vorherigen Tagen begleitet hatte. Es war ein sehr sonniger Tag mit knapp 35 Grad, was besonderen Spaß macht, wenn man in langen Blusen und schwarzen Hosen singt. Dementsprechend waren wir auch alle etwas geschafft. Dank literweisen Wassers ging es dann aber doch noch erstaunlich gut. Letztendlich war es ein sehr langer, aber dennoch schöner und gelungener Gottesdienst und die Gemeinde spendete uns kräftigen Applaus.

Danach gab es erstmal Mittagessen in der Gemeinde. Bis dieses fertig war wurden wir mit schönster deutscher Volksmusik unterhalten. Das Warten hatte sich gelohnt, denn das brasilianische Hähnchengericht roch und schmeckte köstlich (ebenso wie das folgende Nachtischbuffet). Nebenbei erhielt Frau Chaoui einen kleinen Tanz-Crashkurs, den wir mit Freude verfolgten.

Anschließend fuhren wir in unser neues Quartier in Cascavel, ein Gästehaus mit eher spartanischer Einrichtung. Dort machten wir ein wenig Pause und fuhren dann ins Stadtzentrum von Cascavel und sangen uns dort im brandneuen Teatro Municipal de Cascavel, unserem späteren Konzertraum, schon einmal ein.

Nach der Probe kamen wir dann der Einladung der dortigen lutherischen Gemeinde zum Abendessen nach. Wir wurden wie immer herzlich und mit haufenweise gutem Essen empfangen.

Das Konzert selbst begann mit einem weiteren Chor, der uns mit zwei  Liedern empfing.  Darauffolgend sangen wir ein längeres Programm, was sehr gut klappte. Das hatten wir unter anderem auch der exzellenten Akustik zu verdanken. Wir alle hatten viel Spaß dabei :)

Zum Abschluss des Tages gab es dann noch Pizza für uns alle, da Essen, wie wir feststellten, die brasilianische Variante, ist Anlässe zu begehen. Also trafen wir uns wieder im Gemeindezentrum und aßen noch ein bisschen Pizza (zumindest die, die noch Appetit hatten). Es wurde abends dann etwas spät, aber da wir diesmal  bis etwa 7 Uhr ausschlafen durften (und manche allen Ernstes noch überlegten, Werwolf zu spielen), war die Nacht trotzdem lang genug :D

Interview mit Sabine Dermann

Liebe Sabine, Du bist ja hauptverantwortlich für die Organisation dieser Reise. Mit welchen Erwartungen bist Du nach Brasilien gekommen? 

Ich habe erwartet, dass die Mädchen tolle Konzerte macht.  Und ich habe mich darauf  gefreut, Land und Leute kennenzulernen.  Die Menschen hier haben uns bisher überwältigend herzlich empfangen, die Mädchen machen sich großartig,  gerade auch angesichts der Anstrengung so vieler Konzerte und die Landschaft ist überwältigend. Etwas Angst hatte ich vor den vielen Flügen, und tatsächlich waren sie etwas rumpelig. Ein Training, mit der Flugangst umzugehen.

Worauf hättest Du in der ersten Woche gerne verzichtet?

Unsere Pianistin hat ihren Pass verloren, und es war schwierig über die Botschaft ein Ersatzdokument zu beschaffen. Auf den Flugplätzen ist es sehr zeitaufwändig und nervig, unser Zusatzgepäck (Koffer für unsere CD’s und für unsere Programme ) aufzugeben. Obwohl wir immer sehr rechtzeitig beim Flughafen sind, musste ich bisher immer Laufen, um noch rechtzeitig zum Boarding zu kommen. Auch der Check-in für 43 Personennimmt sehr viel Zeit in Anspruch, da jede Person einzeln eingegeben werden muss.

Was hat Dich überrascht?

Wie gut und schmackhaft das Essen ist, und wie preiswert es ist, wenn wir essen gehen. Und dass es keine Mücken gibt. Wir haben viel Moskitoschutzmittel im Koffer, bisher war es nicht nötig, sie zu benutzen. In den ersten Tagen war das Wetter eher „deutsch“, doch mittlerweile sind wir auch von den Temperaturen her in Brasilien angekommen.

Wie empfindest Du die Begegnung mit Deinen brasilianischen Amtskollegen?

Sehr unkompliziert und herzlich.  Zwei Gottesdienste habe ich gemeinsam mit Amtskollegen gehalten. Das war eine sehr schöne Erfahrung.  Und dazu geistliche Gesänge der Mädchen – alles sehr rund und bereichernd. Ich habe von den Kollegen auch einiges über Kirche und Gemeindearbeit der lutherischen Kirche in Brasilien erfahren.  Zum Beispiel, dass man jeweils nach 6 Jahren einen neuen Kontrakt mit Gemeinde und Kirchenleitung schließen muss, will man über die ersten 6 Jahre hinaus in einer Pfarrstelle bleiben. Das ist anders als bei uns. Vieles ist aber auch ähnlich. Ein Unterschied ist sicher, dass vieles spontaner  organisiert wird. Wie auch bei uns sind die Kollegen hier sehr unterschiedlich. Mit jedem bisher war die Begegnung bereichernd, und auf jeden Fall eine Öffnung des persönlichen Horizontes.

Kannst Du ein paar Worte sagen zur evangelischen Kirche hier in Brasilien?  

Wir haben hier Kontakt zur IECLB, der lutherischen Kirche. Sie hat einen Schwerpunkt im Süden Brasiliens. Hier wohnen viele Nachfahren von aus Deutschland Ausgewanderten.  Die Struktur der Kirche von Gemeinde über Regionalsynode und Gesamtsynode ist ähnlich wie bei uns. Die Gemeinden müssen sich selbst finanzieren, auch das Gehalt des Pfarrers aufbringen. Das tun sie durch Beiträge der Gemeindeglieder und durch den Erlös von Festen und besonderen Veranstaltungen. Auf unserer Reise konnten wir sehen, dass  die Gemeinden finanziell sehr unterschiedlich aufgestellt sind.

Was nimmst Du mit zurück nach Deutschland?  

Ganz praktisch: Sandalias Havaianas für meine Tochter und einen schönen Kalender für meinen Sohn.  Aber du meinst natürlich etwas anderes. Ich nehme inhaltlich mit:  die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit der Brasilianer,  die Erfahrung im Glauben verbunden zu sein, auch wenn man in unterschiedlichen Kontinenten zu Hause ist, die Erfahrung  von Spontanität – dass die Dinge gut klappen, auch wenn es ganz anders wird, als man vorbereitet hat, die Offenheit für uns.

Was hat es mit der schwarzen Mappe auf sich?

In den Wochen vor der Reise habe ich alles, was wichtig ist, in meiner schwarzen Mappe gesammelt: Unterlagen für die Finanzen, Aufteilung der Mädchen in kleinere Gruppen, Infos über die Hotels, die ausgearbeitete Reiseroute,  Adressen der Gastgemeinden wie der Konsulate, wie auch die Losungen und Predigten. Alles, was für die Reise wichtig ist, ist in dieser Mappe. Deswegen nehme ich die schwarze Mappe dauernd zur Hand. Es war etwas aufwändig sie mit allen wichtigen Informationen zu füllen, aber jetzt ist es sehr praktisch.

Vielen Dank an Sabine Dermann!

Geschrieben von Sara und Lizzy

Als unfreiwillige Frühaufsteher sind wir heute alle zwischen 3:00 Uhr und 3:30 Uhr bereits auf den Beinen gewesen. Das war für uns natürlich kein Problem, da wir selbstverständlich am Vortag alle schon um 21:00 Uhr im Bett waren ;-) dementsprechend müde saßen wir dann auch im Bus und haben versucht zu schlafen…

Daraufhin sind wir zuerst von Porto Alegre nach Sao Paolo geflogen, wo Elsa und Maria zu unserer großen Freude wieder zu uns stießen; dann ging es weiter nach Foz; aus dem Flugzeug konnten wir bereits einen Blick auf die Wasserfälle werfen. Dort landeten wir um 11:43 Uhr. Als wir aus dem Flugzeug stiegen, hat uns der Temperaturunterschied zunächst fast aus den Socken gehauen; während  in Porto Alegre und Sao Paolo angenehm warmes Wetter herrschte, ist das Klima hier in Foz sehr warm und sehr feucht!

Vom Flughafen aus fuhren wir weiter zum Restaurant, welches von unserer hungrigen Schar nahezu geplündert wurde. Nach dem Raubzug stand im Wesentlichen der ganze Chor vor dem Restaurant, wo es schicke bunte indianische Stofftaschen zu kaufen gab. Nachdem alle eingedeckt waren, ging es auch schon weiter zum Vogelpark. Dort konnten wir jede Menge (aus unserer Sicht) exotische Vögel wie beispielsweise Tukane und Papageien betrachten, die wir zum Teil sogar anfassen konnten! Frau Chaoui gelang es sogar mit ihrem Adlerauge, einen winzigen Kolobri zu entdecken und ihn auch noch zu fotografieren. Das absolute Highlight war die Gelegenheit, einen Ara auf die Hand zu nehmen.

Um 17:00 Uhr führte uns die Reise dann weiter zum Dreiländereck von Paraguay, Argentinien und Brasilien. Dies war sehr interessant, allerdings wurden wir relativ schnell wieder von undefinierbaren Fluginsekten verscheucht, die größer als Wespen waren und ansonsten wie überdimensionierte Ameisen mit Flügeln aussahen. Da wir mit 34 Mädchen unterwegs waren, kann man sich den dortigen Kreischpegel wohl ungefähr vorstellen… J

Nach einem flotten Sprint zurück zum Bus fuhren wir wieder zum selbigen Restaurant wie vorher, wo wir schließlich eine südamerikanische Tanzshow genießen konnten! Völlig erschöpft von diesem langen, ermüdenden Tag gingen wir danach zum Bus zurück, um zu unserem Hotel zu fahren, wo wir etwas nach 23:00 Uhr ankamen und sofort hundemüde in unsere Betten fielen.

Alles in allem haben wir einen aufregenden und spannenden, aber auch anstrengenden und langen Tag erlebt!!!

Warum heißen die Nachwuchschöre der Mädchenkurrende „Kolibris“?

Sie sind klein, frech, flattern durch die Botanik und wollen ständig Süßes. Dabei zwitschern sie aufgeregt und singen ihre ganz eigenen Lieder. Und was machen sie dabei? Einen Vogelschnabel!

Gesehen im Parque das Aves, Foz do Iguaçu

Geschrieben von: Julia von Prondzinski

Nach dem anstrengenden fünften Tag  ging es heute Morgen, nach einer Nacht in unseren Gastfamilien, frisch und ausgeruht in die Schule in Ivoti. Nachdem auch die letzten angekommen waren, bekamen wir eine Führung durch die ganze Schule von einer Portugiesisch und Deutsch Lehrerin. Die Schule war ganz anders, als ich mir eine Schule in Brasilien vorgestellt habe. In ihr sind alle Altersklassen vertreten. Die kleinsten Kinder der Schule sind erst vier Monate alt und gehen dementsprechend in den Kindergarten der Schule. Die ältesten Schüler gehen bereits zur Hochschule und studieren dort, um Lehrer werden zu können.

Nach der Führung durch die Schule, bei der wir auch den Leiter und die Leiterin kennengelernt haben, wurden wir in kleinen Gruppen in den Klassen untergebracht. Ich kam mit meiner Gruppe in eine Klasse, die gerade Englischunterricht hatte. Die Lehrerin, Meike, brach aber ihren Unterricht ab, da sie uns anscheinend wesentlich interessanter fand als ihren eigenen Unterricht. So endete unser Unterrichtsbesuch eher in einem Interview, als in einer realistischen Erfahrung in einer brasilianischen Schule, aber es war toll zu sehen, dass sich alle so für uns und auch unser Land interessieren. In dieser Klasse war außerdem auch eine Freundin meiner Gastschwester und es war schön, sie noch mal wieder zu sehen.

Unser Besuch in der Schule war aber leider nicht von langer Dauer. Bereits um neun Uhr mussten wir die Schule schon wieder verlassen. Aber direkt im Anschluss ging es für uns weiter nach Gramado. Gramado ist eine kleine, touristische Stadt nahe Ivoti. Während der Fahrt konnten wir die wunderschöne Landschaft Brasiliens anschauen oder schlafen, da einige von den letzten Tagen noch immer sehr geschlaucht sind. Unter Gramado selber hatten sich alle etwas ganz anderes vorgestellt. Dort angekommen ging sofort die Suche nach Souvenir Shops los – aber niemand wurde fündig. Gramado macht den Anschein, als würde es in der tiefen Schweiz oder in Österreich liegen. Die Häuser sehen typisch für die Schweiz aus, jeder zweite Laden ist ein Schokoladengeschäft, es gibt Souvenirläden mit Souvenirs der Schweiz. So liefen die meisten in Gramado herum und waren sehr überrascht – so auch ich. Aber die Chance Souvenirs aus BRASILIEN zu kaufen, ergibt sich in den nächsten Tagen in Foz und Sao Paulo bestimmt noch.

Nach unserer „Shopping-Tour“ ging es zum Essen – ausnahmsweise war das Mittagessen erst unsere zweite Mahlzeit am Tag, denn außer Lunchpaketen der Familie hatten wir seit dem Frühstück nichts mehr gegessen – in einem sehr leckeren Restaurant, das auch in Gramado liegt.

Die Ruhepause im Restaurant ging schnell um und alle konnten gut gesättigt in den Bus Richtung Gaucho Museum und Zoo steigen. Am Zoo angekommen kaufte Frau Dermann sofort Tickets für das Museum und den Zoo und los ging es in letzteren. Die Tiere, die in diesem Zoo untergebracht sind, sind Tiere die illegal transportiert und gehalten wurden. Beim Betreten des Außenbereichs des Zoos, kam uns sofort ein großer Papagei entgegen und begrüßte uns, indem er uns, den neugierigen Deutschen, als Fotomodell diente. Im ersten Bereich des Zoos waren nur frei fliegende Papageien untergebracht, eine tolle Erfahrung für alle, denn so nah hatte vorher noch fast niemand so schöne Papageien gesehen. Nach der nächsten Tür kamen wir dann in den Hauptbereich des Zoos und von den meisten Tieren waren alle nur begeistert. Affen, wie sie bei Pippi Langstrumpf vorkommen, Jaguare, noch mehr Papageien, Panther, Schlangen, Krokodile, Leoparden, Flamingos, Storche und alle möglichen anderen Tiere konnten wir ansehen. Fotos, sowohl von den Tieren, als auch von uns selber, wurden nicht zu wenige gemacht und so können wir zuhause Fotos zeigen, die man in Deutschland im Zoo nicht bekommt.

Wir mussten viel zu früh wieder aus dem Zoo gehen, aber weiter oben am Berg wartete ja noch unsere Führung durch das Gaucho Museum auf uns zu der wir schon jetzt viel zu spät waren. Doch die Leute im Museum nahmen unsere Verspätung gut auf und beschwerten sich in keiner Weise. Wir hatten zwar nur eine halbe Stunde im Museum, weil wir den Gastfamilien gesagt haben, dass wir um 18 Uhr wieder zurück in Ivoti sind, aber die Führung war sehr interessant. Gauchos sind sozusagen die Cowboys Brasiliens, die in ihrem selbst gebauten, kleinen Heuhaus wohnten und sich Pferde und Rinder zur eigenen Versorgung hielten. Es war für uns alle sehr interessant zu sehen, wie die Südbrasilianer früher oftmals gelebt haben.

Der Tag war im Allgemeinen zwar anstrengend aber ich habe ihn sehr genossen, weil wir viele, schöne Sachen gesehen haben. Jetzt sind wir aber alle glücklich in unsere Gastfamilien und in unser Bett zu kommen, denn morgen früh um 4.30 Uhr fahren wir zum Flughafen, um nach Foz zu fliegen.