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Ich träume schon von meiner schwarzen Mappe

Interview mit Sabine Dermann

Liebe Sabine, Du bist ja hauptverantwortlich für die Organisation dieser Reise. Mit welchen Erwartungen bist Du nach Brasilien gekommen? 

Ich habe erwartet, dass die Mädchen tolle Konzerte macht.  Und ich habe mich darauf  gefreut, Land und Leute kennenzulernen.  Die Menschen hier haben uns bisher überwältigend herzlich empfangen, die Mädchen machen sich großartig,  gerade auch angesichts der Anstrengung so vieler Konzerte und die Landschaft ist überwältigend. Etwas Angst hatte ich vor den vielen Flügen, und tatsächlich waren sie etwas rumpelig. Ein Training, mit der Flugangst umzugehen.

Worauf hättest Du in der ersten Woche gerne verzichtet?

Unsere Pianistin hat ihren Pass verloren, und es war schwierig über die Botschaft ein Ersatzdokument zu beschaffen. Auf den Flugplätzen ist es sehr zeitaufwändig und nervig, unser Zusatzgepäck (Koffer für unsere CD’s und für unsere Programme ) aufzugeben. Obwohl wir immer sehr rechtzeitig beim Flughafen sind, musste ich bisher immer Laufen, um noch rechtzeitig zum Boarding zu kommen. Auch der Check-in für 43 Personennimmt sehr viel Zeit in Anspruch, da jede Person einzeln eingegeben werden muss.

Was hat Dich überrascht?

Wie gut und schmackhaft das Essen ist, und wie preiswert es ist, wenn wir essen gehen. Und dass es keine Mücken gibt. Wir haben viel Moskitoschutzmittel im Koffer, bisher war es nicht nötig, sie zu benutzen. In den ersten Tagen war das Wetter eher „deutsch“, doch mittlerweile sind wir auch von den Temperaturen her in Brasilien angekommen.

Wie empfindest Du die Begegnung mit Deinen brasilianischen Amtskollegen?

Sehr unkompliziert und herzlich.  Zwei Gottesdienste habe ich gemeinsam mit Amtskollegen gehalten. Das war eine sehr schöne Erfahrung.  Und dazu geistliche Gesänge der Mädchen – alles sehr rund und bereichernd. Ich habe von den Kollegen auch einiges über Kirche und Gemeindearbeit der lutherischen Kirche in Brasilien erfahren.  Zum Beispiel, dass man jeweils nach 6 Jahren einen neuen Kontrakt mit Gemeinde und Kirchenleitung schließen muss, will man über die ersten 6 Jahre hinaus in einer Pfarrstelle bleiben. Das ist anders als bei uns. Vieles ist aber auch ähnlich. Ein Unterschied ist sicher, dass vieles spontaner  organisiert wird. Wie auch bei uns sind die Kollegen hier sehr unterschiedlich. Mit jedem bisher war die Begegnung bereichernd, und auf jeden Fall eine Öffnung des persönlichen Horizontes.

Kannst Du ein paar Worte sagen zur evangelischen Kirche hier in Brasilien?  

Wir haben hier Kontakt zur IECLB, der lutherischen Kirche. Sie hat einen Schwerpunkt im Süden Brasiliens. Hier wohnen viele Nachfahren von aus Deutschland Ausgewanderten.  Die Struktur der Kirche von Gemeinde über Regionalsynode und Gesamtsynode ist ähnlich wie bei uns. Die Gemeinden müssen sich selbst finanzieren, auch das Gehalt des Pfarrers aufbringen. Das tun sie durch Beiträge der Gemeindeglieder und durch den Erlös von Festen und besonderen Veranstaltungen. Auf unserer Reise konnten wir sehen, dass  die Gemeinden finanziell sehr unterschiedlich aufgestellt sind.

Was nimmst Du mit zurück nach Deutschland?  

Ganz praktisch: Sandalias Havaianas für meine Tochter und einen schönen Kalender für meinen Sohn.  Aber du meinst natürlich etwas anderes. Ich nehme inhaltlich mit:  die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit der Brasilianer,  die Erfahrung im Glauben verbunden zu sein, auch wenn man in unterschiedlichen Kontinenten zu Hause ist, die Erfahrung  von Spontanität – dass die Dinge gut klappen, auch wenn es ganz anders wird, als man vorbereitet hat, die Offenheit für uns.

Was hat es mit der schwarzen Mappe auf sich?

In den Wochen vor der Reise habe ich alles, was wichtig ist, in meiner schwarzen Mappe gesammelt: Unterlagen für die Finanzen, Aufteilung der Mädchen in kleinere Gruppen, Infos über die Hotels, die ausgearbeitete Reiseroute,  Adressen der Gastgemeinden wie der Konsulate, wie auch die Losungen und Predigten. Alles, was für die Reise wichtig ist, ist in dieser Mappe. Deswegen nehme ich die schwarze Mappe dauernd zur Hand. Es war etwas aufwändig sie mit allen wichtigen Informationen zu füllen, aber jetzt ist es sehr praktisch.

Vielen Dank an Sabine Dermann!