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Musik verbindet

Nicht nur Brasilien und Deutschland, sondern auch arm und reich

Geschrieben von Aylin Hatun

Als wir heute Morgen beim Frühstück saßen, waren viele aufgeregt. Wie ist es in einer Favela und wie leben die Menschen dort? Ist Kriminalität ein großes Thema? Wie werden die Menschen auf uns reagieren? Viele dieser Fragen gingen uns durch den Kopf.

Nachdem alle ihre Konzertkleidung und festes Schuhwerk hatten (was eine gefühlte Ewigkeit dauerte), fuhren wir los. Die Fahrt dauerte nicht lange und wir waren da. Wir ließen unsere Wertsachen im Bus und stiegen aus. In der Einrichtung „Monte Azul“ angekommen, wurden wir erst einmal interessiert beäugt. Viele Kinder spielten in dem Hof und waren gut gelaunt. In der „Show-Halle“ wurden wir von einem kleinen Chor empfangen, die ein portugiesisches Lied sangen. Es war sehr herzlich und lieb gestaltet. Danach sangen wir ein kleines Konzert, welches wiederum bei den Kindern und Jugendlichen gut ankam. Es war eine 45- Mischung aus geistlicher und weltlicher Musik, welche natürlich von unserem Solo-Quartett abgerundet wurde. Jedoch kam am besten das Mitsing-Lied A Zing-A Za an. Die Rückmeldung, dass die Jugendlichen sehr erstaunt über unser gutes Singen gewesen sind und sogar Gänsehaut gehabt hatten, hat uns sehr gefreut und noch einmal die Verbindung aufgezeigt, die wir mit allen Menschen dieser Welt haben, nämlich die Musik. Doch nicht nur Kinder und Jugendliche hörten uns zu, auch viele junge und alte behinderte Menschen, die in der Einrichtung betreut wurden, waren dabei. Sie sangen lebhaft mit und lächelten sehr, wenn wir anfingen zu singen.

Nach diesem ergreifenden kleinen Konzert bekamen wir von zwei jungen Frauen eine kleine Einführung zu der Einrichtung und den Favelas. Die beiden machten ein Auslandsjahr mit Freiwilliger sozialer Arbeit. Anschließend bekamen wir eine Führung von den beiden durch die Favela. Zuerst sahen wir den kleinen Waldorf-Kindergarten und den von der Stadt geförderten größeren Kindergarten.  Wir sahen eine Musikschule in der die Kinder unter anderem Cello- Unterricht bekommen. Die Kleiderkammer in der die Favela Bewohner für wenig Geld (umgerechnet etwa 7 Euro) auch Betten kaufen können, war direkt neben der Bibliothek in der die Kinder nach der Schule ihre Hausaufgaben am Computer machen können, lesen können, und Spaß mit anderen haben. Wir sahen eine „Freizeit-Area“ mit einem Pool (dort war früher eine Wasserquelle, bei der das Wasser abgeholt wurde) und einem Fußballplatz. In der Ambulanz in der nur Freiwillige Mitarbeiter arbeiten, arbeitete früher auch der Mann einer Mitarbeiterin (Martha) unseres Leitungsteams. Dort lernten sich Martha und ihr Mann auch kennen. Dadurch, dass  die Favela-Bewohner sich keine teure Behandlung leisten können, müssen die Menschen die von außerhalb zu der Ambulanz kommen mehr bezahlen. So unterstützen sie die Favela. Zuletzt sahen wir die Bäckerei in der man sehr günstig Brötchen kaufen konnte. Nachdem bekamen wir etwas Leckeres zu Essen und konnten uns ausruhen und mit den Menschen dort reden. Die offene Art und die Lebensfreude der Favela-Bewohner faszinierte uns.

Nach dem Favela besuch fuhren wir zum Künstlerdorf Embu. Das Künstlerdorf war mit vielen schönen kleinen Läden und vielen Ständen ausgestattet, jedoch überraschte uns ein starker Regenschauer, sodass die Stände abgebaut werden mussten. Aufgrund des Regenschauers verzögerte sich unsere Abfahrt und wir kamen später als geplant an unserer Konzertkirche an. Auch mit der Verspätung sangen wir ein wunderschönes Konzert, das uns allen Spaß machte. Zum Abschluss werde ich den Pfarrer der Gemeinde zitieren der uns mit seinen Worten sehr berührte.  „In einer Welt in der nun immer mehr Mauern errichtet und auf Grenzen hingewiesen wird, verbindet ihr durch eure Konzert Tour und euer Singen Menschen zwischen den Welten.“